Das war die Podiumsdiskussion der Haarer Bürgermeisterkandidaten

In jedem Kommunalwahlkampf ist sie ein Höhepunkt: Die von der VHS organisierte Podiumsdiskussion der Bürgermeisterkandidaten. Hier ist unser Bericht von der Diskussion, die viel über die Persönlichkeit der Diskutanten verriet.
SPD-Kandidat schlägt Personalabbau im Rathaus vor!
Überraschende Töne in der Podiumsdiskussion der Bürgermeisterkandidaten für die Stadt Haar: Der SPD-Kandidat Peter Schiessl kritisierte die hohe Zahl der Mitarbeiter der Stadt Haar und verstieg sich zu der Aussage, es seien 25% der Mitarbeiter im Rathaus zu viel – leider fragte niemand nach, ob er die Mitarbeiter kündigen wolle, wenn er denn gewählt würde.   Dass der Aufwuchs der Angestellten der Stadt seine Ursache im Ausbau der Kinderbetreuung in den letzten Jahren hat, kam in dem Zusammenhang leider nicht zur Sprache.
Braucht Haar einen weiteren “Masterplan”?
Schiessl kritisierte zudem, dass der neue Kiosk am Bahnhof hässlich aussehe und forderte einen neuen „Masterplan“ für Bauarbeiten im Ort. Andreas Bukowski, Haarer Bürgermeister, erklärte, dass das unter intensiver Bürgerbeteiligung erarbeitete „Integrierte Stadtentwicklungskonzept“ (ISEK) genau diesen Masterplan darstellt.   Er bekräftigte seine Absicht, wie darin vorgesehen die Leibstraße zu erneuern und einen Busbahnhof am Bahnhof zu errichten. Zudem wolle er eine umweltfreundliche neue Kita am Wieselweg bauen und einen Schulcampus mit Realschule im ehemaligen MSD-Gebäude zu schaffen („Man muss auch Chancen erkennen und nutzen!“). Haar soll umweltfreundliche Energie durch ein Fernwärmenetz mit Wärme aus Geothermie und einer Freiflächen-Photovoltaikanlage bekommen.   Zur Finanzierung dieser Maßnahmen möchte er auf der Finckwiese zwischen B304 und B471 am Ortseingang ein Gewerbegebiet errichten. Es lägen Anfragen von Biotechfirmen vor, die Fertigungs- und Forschungsflächen suchten, während Büroflächen im Zeitalter von Homeoffice nicht mehr so stark nachgefragt würden.
Hat Haar doch genug Geld?
Ulrich Leiner von den Grünen war anders als Bukowski der Meinung, dass Haar noch genug Geld hätte, plädierte aber auch für das Gewerbegebiet auf der Finckwiese. Nur wolle er gleich die ganze Wiese als Gewerbegebiet ausweisen und nicht nur die Hälfte, wie die CSU und Bürgermeister Bukowski es aktuell planen.   Peter Siemsen von der FDP widersprach der Einschätzung von SPD und Grünen, dass Haar genug Geld habe und unterstrich die Notwendigkeit, durch neue Gewerbesteuereinnahmen die Finanzlage der Stadt wieder zu verbessern. Er erinnerte an Gemeinden, die vor der Frage stünden, ob sie ihr Schwimmbad schließen müssten, und sprach sich sowohl für das Gewerbegebiet auf der Finckwiese als auch verstärkte Vermarktung der Bestands-Immobilien aus.

Nervöser AfD-Kandidat
Der grüne Bürgermeisterkandidat arbeitete sich in der Diskussion intensiv am AfD-Kandidaten Rätscher ab, der sichtlich nervös war und seine Aussagen alle vom Blatt ablas, wobei er teilweise nach Ansicht der Moderatoren von Süddeutscher Zeitung und Münchner Merkur gar nicht auf ihre Fragen einging.   Er plädierte für billigen Wohnraum durch „Remigration“ von ausreisepflichtigen Ausländern aus Haar und sprach sich gegen das Abholzen des „deutschen Waldes“ durch den Bau einer Behelfsbrücke über die Autobahn A99 während des Neubaus der baufälligen Brücke aus.
Fazit: Zwei harte Kontrahenten, drei Nebendarsteller
Die spannende Diskussion verfolgten ca. 900 Bürger, davon knapp die Hälfte per Streaming über das Internet, weil der Bürgersaal voll besetzt war und keine weiteren Besucher mehr aufnehmen konnte.   Am Ende bleibt der Eindruck eines intensiven Zweikampfs zwischen dem jungen Amtsinhaber Andreas Bukowski von der CSU, dem man die Ungeduld und den Gestaltungswillen schon durch das schnelle Sprechen anmerkte und dem angriffslustigen SPD-Kandidaten Schiessl, der betonte, frühere SPD-Bürgermeister hätten die Grundlage heutiger Erfolge gelegt, und man müsse an alte Erfolgsrezepte wieder anschließen.   Die Kandidaten von Grünen, AfD und FDP gaben sich redlich Mühe, waren in diesem Zweikampf aber nur starke Nebendarsteller.



Von Felix Grabmeyer & Dietrich Keymer